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20 | 05 | 2012
Geschichte des Vereins Drucken

 

War bereits in den 1970er Jahren die Seniorenpolitik ein politischer Dauerbrenner, hat das Thema bis heute nichts an seiner Brisanz eingebüßt. Menschen werden heute älter und die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Dennoch handelt es sich bei den hilfebedürftigen Senioren im Vergleich zu ihrer Gesamtzahl um eine Minderheit. Viele sind gesundheitlich fit und benötigen lediglich Erleichterungen im Alltag. Steigende Lebenserwartung, unsichere Renten und zunehmender Subventionsabbau in der Altenfürsorge scheinen ein würdevolles Altern unmöglich werden zu lassen.

 

Nur wenig kümmerte man sich um die Belange älterer Bürger. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bot für ehemalige Kollegen bunte Nachmittage und ähnliche Veranstaltungen an. Es begann in der Waldschänke im Bürgerpark – später Park-Hotel – zog wegen Platzmangels schnell in den Columbus-Bahnhof, wohin regelmäßig 1.500 bis 2.000 Gäste kamen. Als Günter Lemke Stadtrat wurde, sprachen ihn viele ältere Menschen an, ob nicht mehr für Senioren getan werden könnte. Mit dem Angebot anderer Anbieter war man unzufrieden. So sah Günter Lemke 1975 Handlungsbedarf und gründete eine Kommission „Alter ohne Angst“. In der SPD-Fraktion wurde viel über das Thema diskutiert. Werner Lenz setzte sich entschieden dafür ein, „auch den weniger begüterten Menschen die Möglichkeit [zu] geben, ruhig, sicher und zufrieden, in der Gewissheit der Fürsorge der Mitmenschen ihren Lebensabend – angemessen unserer gesellschaftlichen Errungenschaften – zu verbringen“. Er vertrat ein Konzept der Rund-Um-Fürsorge, dem der damalige Leiter des Sozialamtes Heinrich Thiele entgegen stand. Man solle ältere Menschen so lange es möglich ist, in ihrer gewohnten Umgebung lassen – sie aber besser in das gesellschaftliche Leben integrieren, meinte Thiele. Am Ende langer Diskussionen setzte er sich gegen Lenz durch.
1977 gründeten  Maria Krenz, Heinrich Matthias, Hildegard Reinking, Werner Rosilius, Karl-Heinz Thiemann, Margot Schreiner, Mathilde Lehmann, H.J. Rehberg, Günter Lemke und Karin Schriefer den Verein „Alter ohne Angst“, der aus der gleichnamigen Kommission hervorging. Zunächst ging es um die Mobilisierung von Spendengeldern und Schaffung von Heimplätzen. Im Juli 1978 in das Vereinsregister eingetragen und seit dem kontinuierlich erweitert, gilt bis heute das Ziel „durch aktive Hilfe die Lebensqualität der älteren Bürgern unserer Stadt zu erhöhen und die Sozialbehörden in der Sozialbetreuung zu unterstützen. Und schließlich den Senioren die Angst vor dem Alter zu nehmen“, wie es in der ersten Satzung hieß.

 

Die erste Veranstaltung bot Blasmusik im Parkhaus Speckenbüttel. Bald darauf konnten mittels Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) ältere Menschen zum Einkaufen gefahren, Medikamente abgeholt oder auch mal Gardinen gewaschen werden. Weil viele Senioren auch mal vereisen wollten, initiierte man eine Urlaubsreise nach Garmisch-Partenkirchen. Für die 350 Teilnehmer musste ein Sonderzug gemietet werden. Bereits ein Jahr später meldeten sich 500 Senioren für eine Reise an.


Erste Seniorentreffpunkte richtete der Verein 1980 in der Ludwig-Börne-Straße und der Myslowitzerstraße ein. Regen Zulauf – bis zu 500 Teilnehmern - hatten, die bereits 1978 initiierten Schwofnachmittage, so dass man sie vierzehntägig stattfinden ließ. Wie erwartet, gab es ein großes Interesse von Seiten der Senioren an solchen Veranstaltungen. 1981 folgte ein stadtteilbezogener Telefondienst, die Begegnungsstätte „Waschhaus“ in der Hans-Böckler-Straße wurde eingerichtet und ersetzte die Einrichtung in der Myslowitzerstraße. Später zog der Treffpunkt „Bürgerpark-Süd“ aus der Ludwig-Börne-Straße in die Robert-Blum-Straße. Am Krummacker entstanden ein Jahr später die ersten Wohnungen des „Betreuten Wohnens“. Als man in weiteren Jahren den Aufgabenbereich vergrößerte, kam es zur Umfirmierung in „Betreuungs- und Erholungswerk e.V.“ im Jahre 1984.

Die Namensänderung ist also keine eine Abkehr vom Credo, sondern eine Erweiterung hinsichtlich neuer Arbeitsfelder. Die kontinuierliche qualitative und quantitative Erweiterung von Angeboten bezieht die Hilfe und Unterstützung junger, kranker und behinderter Menschen mit ein. Seit 1983 gibt es das betreute Wohnen für psychisch Kranke, die zuvor fern von zu Hause untergebracht werden mussten, weil es keine Einrichtung in Bremerhaven gab. Der 1995 eingerichtete Pflegedienst zählt zu den größten und besten der Stadt und  1997 begann das Wohnprojekt für Demenz-Patienten.

 
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